Trennungsangst („separation anxiety“) bei Kindern oder Abhängigkeit von Mutter

Fotolia_58214157_XSAngst ist eine körperliche und emotionelle Reaktion auf eine unklare und nur schwierig erkennbare Drohung. Angst kann entweder real, auf einer vernünftigen Voraussetzung und logischen Begründung basierend, oder irreal sein, sich auf falsche Voraussetzungen, Gründen oder eine Auswertung stützen, die dem Beobachteten nicht entspricht.

Faktoren, die bei Kindern üblich Angst hervorrufen

Ein wichtiger Faktor, den man in Betracht ziehen muss, ist das Alter des Kindes, die Entwicklungsstufe, auf der sich das Kind befindet. Es ist zu berücksichtigen, inwieweit das Gehirn des Kindes zu einem rationalen oder irrationalen Drohungskonstrukt fähig ist. Ferner dann die Situation, in der das Kind die Kategorien „bekannt“ versus „unbekannt“, „lebendig“ versus „unbelebt“ verstehen muss.

Spezifische Charakteristika von Angst bei Kindern

Die Zustände, in denen Kinder Angst empfinden, sind den Psychologen nach geläufig ein Menetekel, dass in der Familie etwas nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Kinder sind das Barometer des Familienumfelds und nehmen deswegen auch die kleinsten Missverständnisse, Spannung und Disharmonie zwischen Eltern empfindlich wahr. Die Kinderängste sollten Sie nicht ignorieren, sie können nämlich zu einem pathologischen Zustand eskalieren, in dem das Kind schon Fachhilfe braucht.

Scheu in der Kindheit kann der Störung von sozialer Angst in der Reife vorangehen. Die spezifische Empfindlichkeit ist ein Risikofaktor für Entstehung von neurotischen Störungen in der Adoleszenz und Reife. Es ist zugleich eine ständige Charakteristik des Temperaments.

Trennungsangst bei Kindern und ihre Phasen

Trennungsangst kommt als die erste natürliche Angst im Leben eines Kindes ungefähr mit 7. Lebensmonat zum Vorschein. Bei manchen Kindern kommt es dazu erst mit 1,5 Jahren. Wirkungen und Folgen der erlebten Trennungsangst können unterschiedlich sein. An den Wirkungen und Folgen beteiligen sich Alter des Kindes, Form der Trennung, Umgebung, in der das Kind getrennt wird, anwesende Personen, die die Aufmerksamkeit von der anwesenden Mutter ablenken, Temperament des Kindes und vorherige Erfahrungen mit einer Trennung von der Mutter.

  • Alter des Kindes:Je jünger das Kind ist, desto stärker ist die Trennungsangst, im Vorschulalter kann sie jedoch dem Kind dabei helfen, sich selbstständig zu machen.
  • Form der Trennung:Es handelt sich hier darum, ob die Trennung kurzfristig, langfristig, plötzlich, allmählich oder vollständig ist. Wir unterscheiden auch zwischen aktiver Trennung, bei der das Kind die Mutter selbst verlässt und die Umgebung erforscht, und passiver Trennung, bei der es von der Mutter verlassen wird, ohne es selbst zu wollen.
  • Umgebung, in der das Kind getrennt wird: Es kann sich um einen Aufenthalt bei Freunden, Großeltern oder anderen Personen, die auf das Kind aufpassen, aber auch um einen Krankenhausaufenthalt handeln.
  • Anwesende und begleitende Personen:Wichtig sind ihr Benehmen und ihre Beziehung zum Kind als solchem, ihre Bemühung darum, das Kind zu beruhigen und seine Aufmerksamkeit von der abwesenden Mutter abzulenken.
  • Vorherige Erfahrungen mit einer Trennung von Mutter:Die vorherigen Erfahrungen des Kindes mit einer Trennung von der Mutter sind für sein weiteres Erleben der Trennung maßgebend.

Phasen der Trennungsangst

Protest

Im Moment, in dem sich die Mutter entfernt, schreit, weint das Kind und verweigert sich anderen Erwachsenen rasant. Diese Protest- und Verteidigungsphase kann mehrere Stunden oder auch Tage dauern. Nicht alle Kinder müssen aber unbedingt laut schreien. Man muss in Betracht ziehen, dass auch äußerlich brave, stille und in sich verschlossene Kinder können in ihrem Inneren Qual und Verlust der Mutter sehr intensiv erleben. Es kann einem so vorkommen, als ob sie die Protestphase ausgelassen und gleich Verzweiflung erlebt hätten.

Verzweiflungsphase

Das Kind verliert die Hoffnung auf Rückkehr der Mutter, weint immer wieder oder hört gar nicht auf, zu weinen und zu schreien. Es fühlt sich bedrückt, wird still, ist oft apathisch, in sich selbst verschlossen, lehnt ab, zu essen und zu trinken. Es kann auch eine Regression auf eine niedrigere Entwicklungsstufe vorkommen, es ist eine Art Abwehr - zum Beispiel Rückkehr zum Schnuller oder Bettnässen. Diese Abwehrphase kann mehrere Stunden, Tage oder Wochen lang sein. Vor allem in dieser Zeit ist die Geduld der nahestehenden Personen notwendig. Man muss sich ums Kind auch ausreichend kümmern und sich maximal um seine Anpassung an die entstandene Situation bemühen.

Losreißphase oder ein neues Objekt

Diese Phase kann als eine Art Genesung verstanden werden. Das Kind sehnt sich nicht mehr nach der Mutter, lehnt den Kontakt mit anderen Erwachsenen herum nicht ab, ganz im Gegenteil, es entsteht eine ähnliche Beziehung zu ihnen, wie sie das Kind einmal zu seiner Mutter hatte. Nach Beendung einer langen Trennung kann es zu einer paradoxen Situation kommen - zur Ablehnung der Mutter. Auf der anderen Seite können auch andauernde psychische Störungen auftauchen - Bettnässen, Albträume, Stottern, Zucken, Beklemmung, Abkauen der Nägel usw.

Genauso wie das Kind die Trennung erlebt, wird die Trennung auch von der Mutter erlebt. Auch sonst ganz vernünftige Eltern können, beispielsweise nachdem ihr Kind ins Spital gebracht wurde, unvernünftig und irrational handeln.

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Wie kann man die Trennungsangst bei Kindern lindern

  • Lassen Sie zumindest für eine kurze Zeit auch andere Personen auf Ihr Kind aufpassen, noch bevor sich bei ihm die Trennungsangst Das Kind gewöhnt sich so an die Anwesenheit von anderen Menschen, und zwar noch zu der Zeit, in der es auf jede Person gut reagiert, die sich liebevoll benimmt.
  • Verlassen Sie das Kind erst nach dem Essen und Schlaf. Ein hungriges oder müdes Kind erlebt die Trennungsangst stärker. Soweit es möglich ist, verlassen Sie es nicht in der Zeit, in der es krank ist oder in der es sich nicht wohlfühlt, ihm etwas wehtut usw.
  • Wenn es möglich ist, lassen Sie auf das Kind immer denselben Menschen aufpassen, an den das Kind gewöhnt ist. Ein ständiges Wechseln von Aufpassenden ist für die meisten Kinder ein relativ stressiges Ereignis.
  • Üben Sie das Verlassen des Kindes für eine kurze Zeit, wobei Sie diese Zeit allmählich erhöhen. Wenn Sie das Kind von sich selbst verlässt und z.B. in ein anderes, für es sicheres Zimmer geht, lassen Sie es dort für eine Weile allein. So stärken Sie sein Unabhängigkeitsgefühl.
  • Lassen Sie Ihre Kinder lieber in Ihrem eigenen Zuhause
  • Sollen Sie das Kind anderswo lassen, und nicht bei Ihnen zu Hause, bemühen Sie sich darum, das es ein dem Kind bekanntes Umfeld ist, wo das Kind schon zuvor war und wo es ihm gefiel. Bleiben Sie beim Kind, bis es sich ans neue Umfeld gewöhnt. Erst dann gehen Sie weg. Sie können auch ein beliebtes Spielzeug des Kindes mitbringen, damit es sich sicherer fühlt.
  • Beim Weggang bleiben Sie ruhig und positiv gelaunt. Kinder reagieren sehr empfindlich auf Ihre Laune und können jede Spannung in Ihrer Stimme oder Ihrem Gesicht erkennen.
  • Beim Weggang sagen Sie dem Kind, dass Sie weggehen, und versichern Sie es, dass Sie wieder zurückkommen. Es ist gut, ein Ritual zu schaffen, zu dem immer dieselbe Wörter und Gesten gehören, an die sich das Kind gewöhnen kann - im Laufe der Zeit lernt es, was sie bedeuten. Der Weggang wird für sie nicht mehr so stressig und überraschend sein.
  • Nach dem Abschied vom Kind kehren Sie nicht mehr zurück, reagieren Sie nicht einmal auf Weinen des Kindes. Sollten Sie immer zurückkehren oder sich entscheiden, lieber nirgendwohin zu gehen, stärken Sie bloß das ängstliche Verhalten des Kindes und die Situation wird nächstes Mal wieder kommen.
  • Gehen Sie nie weg, ohne Abschied zu nehmen (zum Beispiel wenn das Kind im Spiel vertieft ist). Das Kind hätte dann das Gefühl, dass es sich auf Sie nicht verlassen kann, und wäre noch ängstlicher.
  • Gehorchen Sie den Gefühlen Ihres Kindes. Versichern Sie Ihr Kind, dass Sie seine Gefühle verstehen und dass Sie zurückkommen. Es ist besser, dem Kind zu sagen, dass Sie seine Gefühle verstehen und dass Sie es auch vermissen werden, statt ihm zu sagen, dass es übertreibt und es nichts los ist. Machen Sie sich nie über seine Gefühle lustig.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein des Kindes. Loben Sie Ihr Kind immer, wenn es etwas Mutiges oder Selbstständiges tut. Später erinnern Sie es an seine Erfolge noch.
  • Halten Sie Absprachen ein, die Sie mit dem Kind abschlossen. Vor allem legen Sie einen großen Wert darauf, das Kind zum vereinbarten Zeitpunkt von der Schule abzuholen oder rechtzeitig nach Hause zu kommen. Sollten Sie eine Verspätung haben, geben Sie der Person Bescheid, die das Kind betreut, damit sie dem Kind den Vorfall eventuell erklären könnte.

Trennungsangststörung

Trennungsangststörung in der Kindheit hängt mit Agoraphobie und panischer Störung in der Reife, meidende und sozial-ängstliche Störung in der Kindheit dann mit sozialer Phobie und generalisierter Angststörung von Erwachsenen zusammen.

Das Grundsymptom dieser Störung ist eine etwas übermäßige und von Entwicklung her unangemessene Angst. Es hat Verschlimmerung aller Funktionen zur Folge, einschließlich einer entsprechenden Sozial-, Schul- und Arbeitseingliederung. Oft beginnt dies schon im Vorschulalter, aber kann jederzeit nach dem sechsten Lebensjahr des Kindes vorkommen. Beim Kind kommt bei Trennung von einer bedeutenden, betreuenden Person - meistens von der Mutter - eine riesige Angst vor, begleitet von Befürchtungen, dass ihr oder ihm selbst etwas Schreckliches zustößt: dass es entführt, getötet oder ihm Leid angetan wird.

Das Kind leidet unter ständiger Beklommenheit und Angst, dass der Betreuende weggeht, nicht mehr zurückkommt, dass es allein ohne Nächste bleibt, in ein Krankenhaus geliefert wird oder es sich verliert. Es können Angst vor Dunkelheit oder Schlafengehen, häufiges nächtliches Wecken vorkommen. Das häufige Thema der Albträume ist Trennung. Manchmal will das Kind nicht einmal in die Schule gehen, bloß damit es seine Mutter nicht verlassen muss. Es verlangt ihre ständige Anwesenheit. Die Eltern sind bei der Erziehung hyperprotektiv, Mütter leiden oft an panischer Störung. Das Kind somatisiert die Angst - bei einer erwarteten Trennung tauchen Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Erbrechen und erhöhte Körpertemperatur auf.

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Weitere Angststörungen, die im Laufe der Kindheit vorkommen

Phobische Angststörung bei Kindern

In der Entwicklung des Kindes kommt zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr eine gewisse Angst vor konkreten Objekten, Subjekten und Situationen vor. Sie gehört zum Entwicklungsprozess des Kennenlernens und der Kategorisierung der Welt. Diese Ängste sollten jedoch nicht übermäßig sein.

Schulphobien

Kommen in der ersten Klasse und dann zwischen dem neunten und elften Lebensjahr vor. Das Kind erwartet unangenehme Situationen in der Schule und hat Angst davor, die Person zu verlassen, mit der es emotionell verbunden ist. Aber auch Verbindung eines Erwachsenen mit einem Kind ist abnormal. Oft treten Bauch- und Kopfschmerzen auf, Erbrechen am Morgen, Störungen der Selbsteinschätzung, relative soziale Isolation in einer Gruppe von Altersgenossen. Therapeutisch gesehen ist es am wichtigsten, das Kind in die schulische Umwelt schnell einzugliedern.

Soziale Angststörung bei Kindern

Bei allen Kindern, bei denen zwischenmenschliche Beziehungen erst geformt werden, ist die soziale Interaktion kompliziert und belastend. Vor dem sechsten Lebensjahr wird sie durch Angst und Vermeidung fremder Menschen, bzw. Bemühung darum geprägt, den Verkehr mit Erwachsenen und soziale Kontakte zu vermeiden. Kinder leiden manchmal unter einer unrealen Furcht davor, dass ihre nächsten Personen sie verlassen oder damit aufhören, sich um sie zu kümmern usw.

Häufig kommen bei sozialer Angststörung in der Kindheit Äußerungen der Beklommenheit, Weinen, Zornausbrüche, Verweigerung der Kommunikation, manchmal sogar Mutismus, Schlafstörungen oder verschiedene körperliche Beschwerden vor - Kopf- und Bauchschmerzen, Erbrechen usw. Ab und zu sieht man regressive Reaktionen. Diese Symptome können zur Störung von gesellschaftlichen Aktivitäten führen.

Panische Störung

Kann schon vor dem zehnten Lebensjahr des Kindes ausbrechen, den Gipfel setzen wir jedoch zwischen das fünfzehnte und neunzehnte Lebensjahr. Der Anstieg der Störung ist durch sexuelle Reifung gegeben (bezogen auf Entwicklung von sekundären Geschlechtsmerkmalen). Bei Mädchen ist sie häufiger als bei Jungen. Sie äußert sich durch wiederholte, nicht vorhersehbare Attacken massiver Beklommenheit. Die Selbstmordgedanken kommen dreimal so oft vor und die Anzahl der Selbstmordversuche ist bis zweimal so hoch als in der Normalpopulation.

Soziale Phobie

Beginnt zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr und ist bei Jungen genauso häufig wie bei Mädchen. Die primäre Angst ist mit sozialen Situationen verbunden (z.B. Angst vor Zittern, Erbrechen, Anblicken, Kritik, lautem Lesen in der Schule, Benutzen eines WC, Essen in einer Schulkantine und überall, wo man leistungsorientiert ist - die sog. Performance Anxiety). Die Störung führt zu ausweichendem Benehmen oder sogar zu sozialer Isolation mit einer Gefahr von Selbstmordaktivität und Entwicklung einer Abhängigkeit von psychoaktiven Stoffen. Der Verlauf ist chronisch.



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